
Jahresbericht 2009
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FAQ – Häufig gestellte Fragen
Frage: Wenn die Leute schon kein Wasser haben und wenig produzieren können, wieso ziehen sie nicht an einen anderen Ort?
Antwort: Das Denken und das Leben in den westlichen Industrienationen unterscheidet sich ganz wesentlich von demjenigen der meisten ländlichen Gebieten in Entwicklungsländern. Während in unserer Gesellschaft der Bezug zum eigenen, uns ernährenden Boden meist verloren gegangen ist, und unsere Wirtschaft und Kultur die unbegrenzte Mobilität der Gesellschaft fordert, ist der Bezug der ländlichen Bevölkerung (sicher von allen Naturvölkern) zum eigenen Boden nicht nur eine Frage der Ernährung, sondern auch eine Frage des Glaubens und tief religiöser Verbundenheit.
Die Bevölkerung ist in dieser Erde verwurzelt. Dieser Boden ist ihr heilig. Und dieser Boden, dieser Platz, ist auch der Platz der Vorfahren. Dort, an diesem Platz, in diesem Dorf werden die Menschen dann auch später durch die Kremation wieder dem Universum übergeben. Es kommt nicht von Ungefähr, dass gerade in Bali jedes Haus einen eigenen Tempel hat. Die tiefen religiösen Gefühle führen dazu, dass diejenigen Leute der Bevölkerung, welches es geschafft haben sich eine Arbeit im 120 km entfernten Kuta zu sichern, an vielen Tagen im Jahr zurückkehren, um im Hause der Familie die Götter mit Opfergaben zu beehren.
Frage: Wenn in den westlichen Industrienationen die unbegrenzte Mobilität ein Thema ist, muss dies in diesen Gebieten nicht auch der Fall sein. Wieso führt dann diese Situation, diese Armut in Muntigunung dazu, dass sich viele Frauen mit ihren Kleinkindern auf die Strasse begeben, um in den Städten der Bettelei nachzugehen?
Antwort: Vorerst muss gesagt werden, dass dieses Phänomen für Bali absolut unnatürlich ist, weil die Familienstrukturen und die Strukturen der Dörfer so stark sind, dass sie eine Bettelei von einzelnen Mitgliedern der Gemeinschaft gar nicht zulassen würden. Für die Menschen aus Muntigunung ist die Bettelei eine neuzeitliche Art der Mittelbeschaffung.
Wenn alle Menschen in Bali (und nicht nur auf dieser Insel sondern generell) in Armut leben würden, dann wäre diese Armut nicht sichtbar, sondern ein Teil des Ganzen und würde als eine einfache Art des Lebens bezeichnet werden.
Armut wird nur durch die extremen Gegensätze zwischen „viel“ und „nicht einmal das Notwenige besitzen“ zur wirklichen Armut. Bettelei wird nur ein Thema in einer Gesellschaft, wo diese Gegensätze so extrem sind. In einer Gesellschaft von einfachen Bauern gibt es keine Bettler.
Also ist die heute in Muntigunung herrschende Armut „nur“ das Produkt dieser extremen Gegensätze und hat so früher gar nicht existiert, obwohl die Menschen auch nicht mehr hatten und nicht mehr produzieren konnte. Der Reichtum in unmittelbarer Nähe führt ganz einfach zur Bettelei.
Frage: Sind die Menschen von Muntigunung nicht ganz einfach zu faul um zu arbeiten. Sie könnten etwas tun um ihr Schicksal zu verbessern.
Antwort: Hier gibt es einen einfachen Kreislauf als Antwort:
- Die Menschen haben nur in der Regenzeit Wasser.
- Ohne ganzjährliches Wasser ist es unmöglich, soviel Grundnahrungsmittel zu produzieren, dass man die Produktion auf dem Markt verkaufen könnte
- Gleichzeitig führt das mangelhafte Angebot an Nahrungsmitteln zur Mangelernährung von Kindern
- Mangelrnährung führt zu geringerem Wachstum des Hirns und damit zu verminderter Aufnahmefähigkeit
- Ohne Produktion kein Geld. Ohne Geld kann die Schule der Kinder nicht finanziert werden.
- Ohne Schule keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.
- Ohne Ausbildung keine Verdienstmöglichkeiten.
- Ohne Geld kein Wasser.
- Ohne Wasser keine Produktion.

