Das Gebiet von Muntigunung liegt am nördlichen Abhang der Batur Caldera in Bali, zwischen 100 und 800 Metern über Meer. Es umfasst auf einer Fläche von 28 km2 36 Dörfer mit knapp 6000 Einwohnern. 15 dieser Dörfer haben keine Strassenverbindungen und sind somit schwer zugänglich.

Die Nordseite Balis und damit auch das Gebiet von Muntigunung ist extrem trocken, da während des grössten Teil des Jahres (ca. 8 Monate), die Regenwolken, von Süden kommend, an der natürlichen Barriere, welche die Berge Agung, Abang und Batur bilden, abregnen. Die nördlich dieser Berge liegenden Gebiete erhalten damit in der Zeit zwischen Mai und Dezember keinen Regen. Da das Gebiet Muntigunung auch über keine natürlichen Quellen verfügt, ist die Wasserbeschaffung für die Bevölkerung das vordringlichste Problem. Bis zu 5 Stunden werden täglich für das Heranschaffen von Wasser aus dem fernen Lake Batur oder von der Küste benötigt. Dies ist vornehmlich Frauen- und Kinderarbeit.

Die ausgeprägte Trockenheit verhindert den Anbau von Agrarprodukten während des grössten Teils des Jahres. Fehlende Ausbildung (die meisten älteren Einwohner sind Analphabeten) und fehlende Möglichkeiten zur Beschäftigung und zur Generierung von nachhaltigem Einkommen zwingen deshalb die Frauen und Kinder von Muntigunung, in den Touristenzentren im Süden der Insel zu betteln, um ihr Überleben zu sichern. 95% aller Bettler in Bali kommen aus dem Gebiet von Muntigunung, weshalb man dieses Gebiet auch «das Armenhaus von Bali» nennt.

Fehlendes Wasser, fehlendes Know How zur Reinigung von Wasser, fehlende Toiletten und damit eine sehr unhygienische Umgebung fordern ihren gesundheitlichen Tribut. 9% aller Kinder sterben während der ersten 5 Jahre ihres Lebens. Fehlende Mittel und fehlendes Wissen bezüglich gesunder Ernährung führen zu Mangelernährung und deshalb auch zu einem reduzierten Wachstum des Hirns und damit zu reduzierter Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit von Informationen.

Da ein Grossteil der Bevölkerung nicht registriert ist und demzufolge auch nicht über eine eigene «Identität», respektive über eine Identitätskarte verfügt, sind diese Menschen nicht berechtigt, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge für alle (Bali Mandara), gratis in Spitälern behandelt zu werden.

Da die Menschen auf Einkünfte des Bettelns angewiesen sind, werden ihre Kinder als «emotionale Verkaufsunterstützung» in diese Tätigkeit integriert, mit der fatalen Folge, dass diese ein relativ wirkungsvolles System zur Geldbeschaffung lernen. Damit ist der falsche Samen für ihre Entwicklung bereits gelegt. Ausserdem verhindert diese externe Betteltätigkeit wie auch das fehlende Bewusstsein der Eltern bezüglich Nutzen einer Ausbildung auch den Besuch der Schule.

Die Ursachen der Armut der Bevölkerung in Muntigunung liegen somit in einer Vielzahl von unterschiedlichsten, in einander verwobenen Faktoren! Ohne Hilfe von Aussen ist es der Bevölkerung nicht möglich, sich aus dieser Armut zu befreien und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.